Wien und Salzburg
Reisebericht
Es ist schon etwas verwegen, einen Ausflug nach Wien mit Zwischenhalt in Salzburg als Reisebericht zu betiteln, beträgt eine Fahrt von München aus in die Hauptstadt des deutschen Wurmfortsatzes doch kaum mehr als vier Stunden. Gerade Wien gehört für mich jedoch zu den schönsten Städten der Welt und ist einen Besuch immer wert; selbst das in meinen Augen etwas eintönige Paris hat, wenn überhaupt, kaum mehr Pracht zu bieten als die einstige Kaiserstadt. Deutsche Städte können wegen ihrer Kriegsschäden und den einfältigen Wiederaufbauprogrammen ohnehin nicht mithalten.
Nach unserer Ankunft am Wiener Westbahnhof fuhren wir mit der U-Bahn zum Schwedenplatz, der nur wenige Gehminuten nördlich des Stephansplatzes und unseres Hotels liegt. Nach dem Einchecken führten unsere ersten Schritte zum Figlmüller, wo es nach eigener Auskunft das beste Schnitzel Wiens und damit wohl der ganzen Welt geben soll.
Wir reservierten Plätze für den späteren Abend und machten uns dann auf zum Mozarthaus in der Domgasse. Die Wohnung, die der Meister von 1784 bis 1787 in diesem Haus besaß, war seine wohl schönste und diejenige, die er am längsten in Wien bewohnte. Heute beherbergt sie ein Museum für Touristen, in unserem Fall überwiegend kulturbegeisterte Japaner. Möbel sind keine mehr vorhanden, da sie nach seinem Ableben verkauft wurden. Gegründet wurde das Museum 1941 und ich hätte gerne Fotos der schrägen Ausstellung gesehen, die die Nazis daraus gemacht haben müssen.
Uns blieben noch knapp vier Stunden bis zum Abendessen, in denen wir in der Altstadt umherbummelten. Wir warfen zuerst einen Blick in den Stephansdom, in dem gerade ein Priester mit einer Schar Ministranten am Altar vorüberschritt. Frierend ging es weiter nach Süden bis zur Staatsoper an der Ringstraße. An einem Kiosk deckten wir uns mit Bier ein und fuhren mit der U-Bahn zurück zum Hotel.
Um 20.30 Uhr konnten wir endlich unsere Plätze im Figlmüller in Beschlag nehmen. Unsere Reservierung erwies sich dabei als schlauer Einfall, da die Schlange vor dem Eingang mindestens fünf Meter betragen haben dürfte — eine Menge für einen so kleinen Schuppen. Zu unseren mehr als tellergroßen Wiener Schnitzeln bestellten wir gemischten Salat und Rösterdäpfel für J. und mich und Erdäpfel-Vogerlsalat für S. Eine Beilage weniger hätte es angesichts der gewaltigen Menge auch getan, die sich allein mit preußischer Disziplin gerade so bewältigen ließ. Unser Ober konnte seine Bewunderung ob dieser Leistung nicht verbergen. Ein voller Bauch marschiert nicht gern, also kullerten wir zurück ins Hotel.

Nach dem Frühstück ging es nach Westen zum nördlichen Teil des Ringes, den wir uns erwandern wollten. Viele Prachtgebäude säumen die Straße und lassen erahnen, welchen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Stellenwert Wien einst inne hatte. Der kalte Wind pfiff uns um die Ohren, also kehrten wir nach einem kurzen Besuch des Museumsquartiers für ein Bier in eine Kneipe an der Mariahilfer Straße ein.


Wieder aufgewärmt fuhren wir mit der U-Bahn zur Herrengasse, um von dort aus die höchst eindrucksvolle Reitschulgasse entlang zur Albertina zu gehen. Inmitten dieser eng bebauten Straße gibt es einen Pferdestall und man muss aufpassen, vor Staunen nicht von einer der vielen Kutschen überrollt zu werden.
In der Albertina trennten wir uns vorübergehend, damit S. sich unsere Eintrittskarten sicherte, während J. und ich uns an der Garderobe die Beine in den Bauch standen. In den Prunkräumen hängen neben Gemälden deutscher Klassiker und Romantiker auch einige Werke von Dürer, darunter der berühmte Feldhase; gerne verzichten können hätte man dagegen auf die Immendorff-Skulpturen, die überall am Rand und in den Ecken herumstanden. Im Erdgeschoss gab es gerade eine umfangreiche Picasso-Ausstellung und im Untergeschoss finden sich viele Werke Michelangelos, nur leider war es dort so stickig, dass S. und ich es nicht lange aushielten. J. erwies sich als angemessen tapfer und blieb noch für einige Minuten, wofür er beim Rückweg mit einem grandiosen Rolltreppensturz einer fülligen Dame belohnt wurde.
Einige Gehminuten nach Osten führten uns erneut auf den Ring, den wir nun nach Norden hin abschritten, um im Kaffeehaus Prückel zu pausieren. Leider hat man das Innere in den 50er Jahren umgestaltet, also die herrliche Jugenstileinrichtung entsorgt. Lediglich das deutlich kleinere Nichtraucherzimmer im hinteren Teil des Cafés wurde in den 80er Jahren rekonstruiert.
Ist man einmal in Wien, muss man auch eine „Eitrige mit Buckel und Schiss“, wie sie im Volksmund heißt, essen, also eine Käsekrainer mit Senf. Meine war allerdings mit Ketchup und im Baguette und hat ganz hervorragend geschmeckt. Am Hohen Markt befindet sich auch die Ankeruhr, eine große Spieluhr der ehemaligen Anker-Versicherung. Zuletzt ging es noch einmal über den Stephansplatz und schließlich zurück ins Hotel.

Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Railjet um 10.15 Uhr wieder in Richtung Westen. In Salzburg, das wir nach rund drei Stunden erreichten, hatten wir einen vierstündigen Halt eingeplant. Gerade genug, um durch die Gassen der Altstadt zu schlendern. Unser Weg führte uns entlang der Salzach, vorbei an wunderschönen Altbauten und einem grauen Riesen, den man wohl dem Brutalismus zuordnen kann. Vorbei ging es natürlich auch an Mozarts Geburtshaus in der Getreidegasse 9.


Mal bayerisch, mal selbständig und mal österreichisch, erinnert die Stadt architektonisch in ihrer überwiegenden Nüchternheit viel mehr an München als an Wien. In den engen Gassen der Altstadt lässt es sich wunderbar flanieren, wobei die Größe der Stadt allerdings überschaubar ist.
Nach zwei Stunden machten wir uns wieder auf den Rückweg, wobei wir uns viel Zeit ließen und einen Zwischenstopp mit Döner einlegten. Um 17.00 Uhr fuhr unser Zug zurück nach München.
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