Im Land der Schafe

Einmal um Island herum — Reisebericht
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Donnerstag, 23. Juni 2011

Um 8.00 Uhr nahmen wir unser Frühstück ein und vertrödelten viel Zeit im Hotel, denn unser Flug zurück nach Deutschland war erst für Mitternacht angesetzt. Zunächst besuchten wir die Hallgrímskirkja-Kirche, die von demselben Architekten stammt wie die Akureyrarkirkja in Akureyri. Für einen modernen Bau gefällt sie mir ganz gut. Vor dem Fahrstuhl auf den Turm hinauf stand bereits eine lange Schlange. Innen ist sie einfach bis schlicht gestaltet, wie es evangelische Kirchen nun einmal häufig sind. Eine Organistin spielte gerade auf der aus Bonn stammenden Orgel „Bilder einer Ausstellung“ von Mussorgski, ein schwärmerisches Werk, das ich gerne mag, das aber — ganz ehrlich — eigentlich nicht in eine Kirche passt.



Auf dem Kirchenvorplatz steht zu Ehren Leif Erikssons eine Statue. Ob er im wahren Leben auch so eine mächtige Axt mit sich herumtrug? Es herrschten knapp 15 Grad Celsius, was angenehm für uns war, manch einen Isländer aber arg ins Schwitzen brachte.



Unweit der Kirche stellten wir unser Auto am Tjörnin-See ab. Hier befindet sich auch das Rathaus der Stadt. Enten, Tauben, Möwen und eine fette Gans balgten sich um das Futter, das ein Mann verteilte.

In einem Buchladen stöberte S. nach Souvenirs, während J. und ich aus künstlerischem Interesse in einem Erotikfotoband blätterten. Anschließend schickten wir unsere Postkarten auf den Weg und setzten uns in ein Café, das wir nach einer Viertelstunde aber wieder verließen, da man uns im Gegensatz zu den anderen Gästen nicht bediente. Wir hatten sowieso Hunger und aßen daher etwas bei Subway.

Am Rande der Innenstadt steht auf einem kleinen Hügel die sogenannte Perlan, ein Warmwasserspeicher mit großer Glaskuppel, von der aus man die Stadt überblicken kann. Es lässt sich nicht leugnen, wie reizvoll die Stadt eingebettet zwischen den Bergen und dem Meer liegt. Da wir bis zum Abflug noch Zeit im Überfluss hatten, legten wir eine ausgiebige Kaffeepause in der Cafeteria ein. Eine Kindergartengruppe stürmte an uns vorbei und mir schien es, als seien sie alle hellblond gewesen.



Wir machten uns langsam auf den Weg nach Keflavík. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hielten wir den Polo wie an den vorangegangenen Tagen an und durchstreiften das Gelände. J. und ich bestiegen einen mit Moos bewachsenen Hügel, bei dem wir uns in trügerischer Sicherheit wogen, nicht doch in irgendeiner Felsspalte zu verschwinden. Wir verließen kurz darauf die Autobahn und fuhren durch Keflavík hindurch. Viel gibt es in dieser für isländische Verhältnisse großen Stadt nicht zu sehen und die neugebauten Wohnungen ähneln zum großen Teil eher Sozialwohnungsbau aus den 1960er und 70er Jahren.

Für einen Besuch des berühmten Strokkur-Geysirs blieb uns leider keine Zeit, also fuhren wir auf der Reykjanes-Halbinsel die Küste entlang. Der Weg führte uns über eine Schotterpiste an einem Industriegelände vorbei, an dem es unerträglich nach Schwefel stank. Sollten die Arbeiter tagtäglich diesem Geruch nach faulen Eiern ausgesetzt sein, sind sie nicht zu beneiden. An einem Leuchtturm stiegen wir auf die Anhöhe, von der aus wir die Steilküste und in das Umland sehen konnten.



Nach weiteren rumpeligen Metern kamen wir auf den Parkplatz an der Küste. Bis auf einige Touristen war niemand unterwegs. Ein Fotograf schlenderte den Steilhang entlang und baute bei jeder Gelegenheit sein Stativ auf, auf das er, solange er es nicht zum Filmen gebraucht hat, angesichts des Lichts hätte verzichten können.



Wir fuhren nicht auf demselben Weg zurück, sondern in Richtung Osten an der berühmten Blauen Lagune vorbei, in die man ein Freibad gebaut hat. Wir versuchten, von einer Anhöhe aus einen Blick zu erhaschen, trauten uns aber angesichts der Verbotsschilder nicht, den Weg zu verlassen. An einem Ausläufer der Lagune am Straßenrand fassten wir einmal in das stahlblaue Wasser, das sich eigenartig weich anfühlte.

Ehe wir zum Flughafen zurückkehrten, aßen wir in einer Videothek in Keflavík, die J. als sozialen Treffpunkt der Stadt empfand, und tankten den Polo voll. Als wir ihn am Flughafen beim Autoverleih unter dem strengen Blick der Angestellten zurückgaben, hatten wir 1.717 Kilometer zurückgelegt. Schwieriger gestaltete sich das Einchecken bei Germanwings, da wir zwar für unser Gepäck, nicht aber für uns selbst Bordkarten bis München ausgehändigt bekamen. Erst die dritte Dame am Schalter klärte uns darüber auf, dass man uns bis München gebucht hätte, dies aber wegen eines Systemausfalls nicht ausdrucken könne. Andernfalls hätten wir in Köln den Sicherheitsbereich verlassen und wieder hinein in das Terminal gehen müssen, was zeitlich niemals geklappt hätte. Beruhigt und ohne Zwischenfälle flogen wir um Mitternacht nach Köln und von dort aus weiter nach München.