Eine Woche in Tokio
Reisebericht
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Sonntag, 23. Mai 2010
Um zwei Uhr nachts wachte ich plötzlich auf und konnte bis sechs Uhr nicht mehr einschlafen. Danach schlief ich bis elf durch und S. bekam von alledem auch nur wenig mit. Unser Trübsal des verpennten Morgens wegen hielt sich allerdings in Grenzen, da es draußen ohnehin wie aus Kübeln schüttete.
Ein Besuch des „Yakitori-Alleys“, wo es jede Menge Stände mit gebratenen Hühnchenspießchen gibt, fiel erst einmal aus. Da der Regen nur ein begrenztes Reiseprogramm zuließ, fuhren wir als erstes in den Stadtteil Ginza, der unmittelbar östlich an das Gelände des Kaiserpalastes anschließt. Dort warfen wir einen Blick ins Sony-Building, wo man jede Menge elektronischen Kleinkram befummeln kann. Hier spielen die Väter mit der Playstation und die Kinder gucken zu.

In einem benachbarten Hochhaus durchquerten wir mehrfach eine Fressmeile im Erdgeschoss, ehe wir mit dem Fahrstuhl eine Starbucks-Filiale im obersten Stockwerk aufsuchten. Es ging uns dabei nur vordergründig um Kaffee, da S. versuchte, mit ihrem Handy eine W-LAN-Verbindung herzustellen, wie sie bei Starbucks in Tokio kostenlos möglich ist — ich wollte endlich erfahren, wie das Champions-League-Finale zwischen Bayern München und Inter Mailand ausgegangen war!

Der Hunger trieb uns zurück zum Hotel, in dessen Nähe wir am Vortag einen vielversprechenden Inder ausgemacht hatten. Dies war zwar noch keine japanische Küche, aber dennoch sehr lecker. Wir verzehrten das Essen im Hotelzimmer, ehe wir wieder aufbrachen.
Unser nächstes Ziel, das „Tokyo Anime Center“ in Akihabara, entpuppte sich als mittelgroßes Geschäft, in dem es letztlich nur Mangas und Plastikpuppen zu kaufen gab — und fotografieren durfte man auch nicht. Im Gegensatz dazu lud die Umgebung, die auch als Elektronikmeile bekannt ist, zum Entdecken ein. Vor einer Spielhölle schauten wir einer jungen Frau für einige Minuten dabei zu, wie sie sich vergeblich mühte, eine Figur mit einer Fangkralle aus einem Automaten zu angeln. Ob dies überhaupt möglich war?
Im nicht enden wollenden Regen machten wir uns wieder nach Shinjuku auf, um einen Blick auf das nächtliche Tokio zu werfen. In einem benachbarten Hochhaus des Regierungsgebäudes, dem Sumitomo-Building, suchten wir im menschenleeren Erdgeschoss nach Fahrstühlen. Die, die wir fanden, waren allesamt mit roten Warnschildern versehen, die wir aber nicht entschlüsseln konnten. Innen waren sie an den Wänden mit Pappe verhängt und die Bedienungstasten für einige Stockwerke waren abgeklebt. Im obersten Stockwerk war auch niemand unterwegs, die Aussicht aber umso schöner.

Auf dem Rückweg deckten wir uns mit Asahi-Bier und „Cola Shocks“ ein. Im Fernsehen, dessen Sender im Gegensatz zum rückständigen Deutschland alle hochauflösend waren, lief „Alarmstufe: Rot 2“ im Zweikanalton. Gibt es einen gediegeneren Ausklang eines Tages als mit Steven Seagal und japanischem Bier?

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