New York und Miami
Reisebericht
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Sonntag, 6. September 2009
Nach dem Aufstehen gingen wir wie üblich nebenan frühstücken, anstatt Bagel mit Frischkäse versuchte ich dieses Mal allerdings eine Quiche mit angeblichem Schwarzwälder Schinken und Schweizer Käse. Sie war jedoch viel zu fettig und schmeckte nur nach Ei.
Die Sonne strahlte wieder und bot uns gute Rahmenbedingungen für unseren geplanten Ausflug nach Princeton, wo wir uns einen Besuch der weltberühmten Universität vorgenommen hatten. Da unser Zug an der Penn Station losfahren sollte, mussten wir nur eine Haltestelle mit der U-Bahn nach Süden fahren.

Im Bahnhof warteten wir am Schalter darauf, endlich unsere Fahrkarten zu erhalten, während sich der Zeiger bedrohlich 9.14 Uhr näherte, der Abfahrtszeit unseres Zuges. Dank der flotten Mitarbeiterin am Schalter erwischten wir gerade noch unseren Zug, der mit zwei Minuten Verspätung losfuhr.
Während unserer Fahrt in Richtung Trenton fuhren wir unter dem Hudson River hindurch nach New Jersey, wo es durch Sümpfe ging, die man abenteuerlich mit Stromleitungen überquert hat, die zum Teil bereits ins Wasser gestürzt sind. Zu sehen waren einige heruntergekommene Industrieruinen und ärmlich wirkende Wohngebiete, die ich eher in Osteuropa vermutet hätte. Dass die USA ein wohlhabendes und das wirtschaftlich stärkste Land der Welt sind, sieht man erst auf den zweiten Blick. Nach rund 90 Minuten Fahrt kamen wir bald hinter New Brunswick in Princeton an.


Vom Bahnhof Princeton-Junction aus erreicht man die Uni mit einem weiteren Zug, der zwischen der Uni und dem Bahnhof hin und her pendelt. Von innen wirkt er zunächst ausgesprochen breit und geräumig. Offenbar haben sich aber die Innenausstatter gewaltig verschätzt. Die Sitzreihen, die sich jeweils gegenüber befinden und Platz für sechs Personen bieten sollten, stehen so eng zueinander, dass man es schon zu dritt schwer hat, sich einigermaßen zu bewegen. Menschen mit vielleicht 50 Zentimeter kurzen Beinen und einem ein Meter langen Oberkörper könnten sich hier allerdings durchaus wohl fühlen.
Der Campus war wegen den Semesterferien wie ausgestorben, allein das Zirpen der Grillen war zu vernehmen. Architektonisch lehnen sich die meisten Unigebäude an britische Steinhäuser an und wir waren angetan vom Genius loci. Hin und wieder begegneten wir Studenten mit ihren Eltern, die die freien Tage offenbar zum Auffüllen ihrer Vorräte nutzten. Derzeit betragen die Jahresgebühren 43.425 Dollar, von denen die Uni bei etwa der Hälfte der Studenten ein Drittel übernimmt. Wie an der Columbia University auch haben zahlreiche namhafte Alumni hier studiert oder gelehrt, Albert Einstein etwa, aber auch Thomas Mann, John F. Kennedy und Michelle Obama.


Nach unserem Rundgang kehrten wir in ein Café gleich auf der anderen Straßenseite ein, die das restliche Princeton vom Campus trennt. J. bestellte sich, angeregt durch mein Frühstück, ebenfalls eine Quiche und war jämmerlich enttäuscht, für ein kleines Stückchen Teig vier Dollar auf den Tresen legen zu müssen.
Zurück schlenderten wir über den Campus und scheiterten bei dem Versuch, einen Blick durch die Fenster in die verschlossenen Hörsäle zu werfen. Am Bahnhof dauerte es eine Viertelstunde, bis unser Pendelzug einfuhr. Dort warteten wir ebenfalls einige entspannte Minuten, die nur von einem hindurchdonnernden Eilzug unterbrochen wurden. Unser Zug nach New York war ein älteres Modell mit ähnlich abenteuerlicher Sitzverteilung wie der Pendelzug in Princeton, hielt aber nicht an jedem Bahnhof und war dadurch etwas schneller unterwegs. Während J. und S. etwas dösten, betrachtete ich die vorbeiziehende Landschaft.



Zurück in New York kehrten wir für einen kleinen Happen in McDonald's ein, wo sich vor der Toilette ein aufdringlicher Kerl eingerichtet hatte und die Leute lautstark um Geld anbettelte. Mit den bedauernswerten, aber ruhigen und freundlichen Obdachlosen, von denen es in New York leider eine Menge gibt, hatte dieser Mann wenig zu tun.
Am Vortag hatte uns unser Mitbewohner empfohlen, eine stillgelegte und zu einer Parkanlage umgestaltete Hochbahn zu besuchen. Wir schlenderten die 14. Straße nach Westen entlang und erreichten sie nach wenigen Minuten, obwohl uns unser Mitbewohner dringend geraten hatte, einen Bus dorthin zu nehmen. Der Anlage selbst hat man den Namen „High Line Park“ gegeben und sie ist rund 2,5 Kilometer lang, aber nur sechs Meter breit und zehn Meter hoch. Sie liegt im ehemaligen Schlachterviertel und bietet schöne Ausblicke in die Straßenschluchten des südwestlichen Manhattans, transportiert wurden darauf ursprünglich Schweine und Rinderhälften. Zum Park umgestaltet hat sie erst seit Juni dieses Jahres geöffnet und wurde unter anderem von David Bowie, Kevin Bacon und Edward Norton mitfinanziert. Am Ende der Bahn setzten wir uns so lange auf eine Bank, bis ein Mann mit seinem älteren blinden Vater und seiner Mutter vorüberging. Der blinde Herr war allem Anschein nach etwas erschöpft, da ich ihn sagen hörte: „Before we leave the park, I'd like to sit down for a while.“ Dass wir den Mann mit seinen Eltern zurückwinkten, als sie schon ein paar Meter weiter gegangen waren, und ihnen unsere Plätze anboten, freute ihn so sehr, dass ich beinahe etwas beschämt war, als er sich bedankte: „Thank you, that's very kind of you!“.


Auf dem Rückweg kauften wir Postkarten und betraten unser Hostel, in dessen Eingang gerade eine Frau mit brasilianischem Fußballtrikot gekotzt hatte. Kaum im Zimmer, kam unser Mitbewohner hereingeschneit, der meinte, wir seien entweder faul und die meiste Zeit über im Hostel oder träfen ihn zufällig immer dann, wenn auch er gerade eine Pause einlege.
Das Wetter schlug allmählich um von sommerlich auf herbstlich. Bevor es regnen sollte, wie im Wetterbericht angekündigt, wollten wir noch einmal New York von oben und bei Dunkelheit sehen, wie wir es auch beim letzten Besuch getan hatten. Unsere Wahl fiel auf das Rockefeller Center, das eine größere Besucherplattform auf mehreren Ebenen bietet und dessen Aussicht nach meinem Empfinden die schönere als die des Empire State Buildings ist. Obwohl es nur wenige Blöcke von unserer Herberge entfernt liegt, zog sich unser Weg länger als üblich dahin, da gerade ein brasilianisches Straßenfest auf der Avenue of America veranstaltet wurde; hier kam wohl auch die kotzende Frau her.

Wegen der besseren Sicht und vielleicht auch wegen des Wochenendes war auf dem General-Electric-Gebäude des Rockefeller Centers mehr los als beim letzten Mal. Es hatte bereits merklich abgekühlt und war auf der Aussichtsplattform recht frisch, weshalb sich S. fürs Erste ins Innere auf eine gepolsterte Bank setzte. Letztlich sorgte die Kälte aber auch dafür, dass einige Besucher kürzer als vielleicht angedacht auf der Plattform verweilten und wir dadurch wieder mehr Platz für uns hatten.
Die Aussicht auf Manhattan war natürlich klasse, ganz besonders während des einsetztenden Sonnenuntergangs. Zeitweise hatte man das Gefühl, unter den Besuchern mehr Deutsch als Englisch zu hören.



Während unserer anschließenden Suche nach einer Essensgelegenheit kamen wir bei einer Wendy's-Filiale vorbei, wo wir seit unserem letzten Besuch in New York keinesfalls mehr einkehren wollten. Wir liefen einmal um die Grand Central Station herum und fuhren dann mit der Shuttle-U-Bahn zum Times Square zurück.

Im Hostel zollte das Handgepäck seinen Tribut und wir waren auf eine Waschmaschine angewiesen. Dazu war es nötig, den zutiefst genervten Rezeptionisten zu fragen, ob wir die Schlüssel für den Keller bekämen, wo die Maschinen aufgestellt waren. Wie er sich hinter seinem Schalter verkrochen hatte und man nur seine böse dreinblickenden Augen und die in Falten gelegte Stirn sehen konnte, war jedesmal ein Erlebnis. Man sollte ihm eine Mütze schenken mit der Aufschrift „I hate my life“.
Durch den äußeren Kellereingang kamen wir zu den Waschmaschinen und wunderten uns später über den Chlorgestank, den die frisch gewaschenen Klamotten versprühten. Als sie am nächsten Tag getrocknet waren, hatte sich der Geruch zum Glück verzogen.
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