New York und Miami

Reisebericht
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Mittwoch, 9. September 2009

Um sieben Uhr klingelte unser Wecker, da wir das Frühstück nicht verpassen wollten. Als sich S. bei laufender Klimaanlage im Badezimmer die Haare fönte, flog die Sicherung heraus. An diesem Morgen schien die Sonne und es war trotz früher Stunde bereits sehr warm und schwül. Im Hostel nahmen wir im klimatisierten Untergeschoss unser Frühstück zu uns, das aus einigen Toastscheiben und kleinen Muffins bestand, ferner gab es jede Menge Kaffee und Tee. Von den Gästen waren nur wenige anwesend, was wohl auf die Feier des vorherigen Abends zurückzuführen war. An unserem Tisch saßen, wie so oft, fast nur Deutsche, etwas später auch drei Franzosen.

Als nächstes hieß es auschecken, Gepäck verstauen und Abmarsch zum Strand. Miami Beach — oder „Miami Bitch“, wie auf geistreichen T-Shirts zu lesen war — ist ein tagsüber verschlafenes Nest. Am Strand waren mehr Möwen und Pelikane als Menschen unterwegs, nur ganz wenige waren baden, einige trieben Frühsport oder gingen spazieren. In der Ferne konnte man einige große Frachtschiffe erkennen. Als wir uns für einen Moment auf Sonnenliegen setzten, kam sofort eine Frau angelatscht, die „ten dollars each!“ für die Sitzgelegenheit forderte. Bevor sie sich versah, waren wir schon wieder verschwunden.







Zurück ging es die Strandpromenade entlang nach Norden Richtung Post. Vor jedem der zahlreichen Restaurants standen mehr oder weniger hübsche Mädchen, die die Passanten fragten: „Breakfast? Lunch?“ Unsere Antworten waren immer dieselben: „No, thanks — no, thanks — no, thanks ...“ Dieses Schauspiel wiederholte sich so oft, dass ich später am Flughafen einer Dame auf ihre Frage „habla usted español?“ versehentlich antwortete: „No, thanks.“



Im Gegensatz zum Vortag wurde es so heiß, dass wir nur noch langsamen Schrittes vorwärts kamen. In einem nahegelegenen und Gott sei dank klimatisierten Kiosk kauften S. und ich uns eisgekühlte Pepsi und warteten, bis ich wieder getrocknet war. Der Weg zur Post führte uns durch das Art-Déco-Viertel von Miami Beach, bei dem der Name allerdings mehr verspricht als es halten kann. In der Post war es durch die Klimaanlage geschätzte 20 Grad kühler als draußen und damit beinahe schon wieder zu kühl, um sich länger in ihr aufzuhalten. Wir taten es dennoch, um nicht durchgeschwitzt in den Flieger steigen zu müssen.

Auf dem Rückweg zum Hostel, wo unser Gepäck auf uns wartete, legten wir einen Zwischenstopp in einer Fatburger-Filiale ein, bei der der Name Programm war. Alles war „fat“, die Fatburger, die Fatfries und so weiter. An Ehrlichkeit mangelt es dem Geschäft angesichts des tatsächlich äußerst fetten Essens nicht, ich war dennoch froh darüber, bis zum nächsten Essen im Flugzeug gesättigt zu sein. Den letzten Happen verteilte ich sorgfältig über meiner Hose und meinem Hemd.



Nach einem kurzen Aufenthalt mit Abkühlung im Untergeschoss des Hostels warteten wir an der Ecke des Häuserblocks auf unseren Bus. An der Haltestelle, an der wir umsteigen mussten, saßen zwei reizende ältere Damen, mit denen wir ins Gespräch kamen. Die eine der beiden hatte ihre Freundin in Miami besucht und war nun auf dem Rückweg zum Flughafen, weil sie selbst aus New York kommt. Als sie uns drei miteinander sprechen hörte, sagte sie, Deutsch klinge ganz ähnlich wie „Jewish“, also Jiddisch. Kein Wunder, immerhin ist Jiddisch eng mit Hochdeutsch verwandt und für uns ohne weiteres zu verstehen. Dieser Bemerkung und ihrem Nachnamen entnam ich, dass sie selbst Jüdin war. Ihre Freundin kam ursprünglich aus Ungarn und fragte uns, ob wir auch Ungarisch beherrschten. Abgesehen von Finnisch kann ich mir aber leider keine europäische Sprache vorstellen, die schwieriger zu erlernen wäre. Nach einer langwierigen Fahrt zum Flughafen verabschiedeten wir uns von der Dame, die uns in einer kurzen Plauderei noch mitteilte, sie reise sehr gerne. Auch Deutschland kenne sie gut, nur mit Göttingen konnte sie wenig anfangen.



Im Flughafen folgte das bekannte Spiel an der Sicherheitskontrolle, wo wir unsere Schuhe ausziehen musste. Anschließend lief uns eine Dame hinterher, die nur Spanisch sprach und uns vermutlich fragte, ob wir ihr helfen könnten, ihren Flieger zu finden. Dass niemand von uns Spanisch beherrscht, hielt sie nicht davon ab, weiter spanisch auf uns einzulabern, auch nicht im Flugzeug, wo sie zufällig neben dem armen J. saß.

Kurz nach 17.00 Uhr hoben wir ab und flogen zunächst die Ostküste entlang und wieder über New York hinweg. Nach dem Essen sah ich den neuen Film mit Sandra Bullock und Ryan Reynolds, schlief aber ab der zweiten Hälfte ein. Nach einem hübschen Sonnenaufgang über Portugal und Spanien landeten wir pünktlich in Madrid. Dort mussten wir im Gegensatz zum Hinflug erneut durch die Sicherheitskontrollen, um unseren Anschlussflieger zu erreichen, der wiederum mit Verspätung in München landete. Dafür bot uns der Flug einen schönen Blick auf das Mont-Blanc-Massiv. Was folgte, waren S.' Wohnungsübergabe, auswärts Abendessen und Filmegucken in unserer neuen Wohnung. Wir waren zu Hause.